Botschaft des RI Präsidenten - November 2015

Sonntag, 1. November 2015

"An einem sonnigen Morgen Ende Juni 1991 fuhr ein Lieferwagen durch den Morgenverkehr von Colombo. Schliesslich kam er im Norden der Stadt vor dem Verteidigungsministerium an. Als Sicherheitskräfte den Wagen zu eine Inspektion stoppen wollten, detonierten die beiden Insassen eine Sprengladung: Tausende Kilogramm Plastiksprengstoff.

Das Dach des Gebäudes wurde komplett weggefegt. Trümmer flogen mehrere Strassenzüge weit. 21 Menschen wurden getötet, 175 schwer verletzt, darunter viele Schülerinnen der Mädchenschule nebenan. In meinem über einen Kilometer entfernten Haus gab es keine einzige Fensterscheibe mehr. Meine Frau lief sofort dem Ort der Explosion zu - zur Schule unserer Tochter.

Unsere Tochter war zu der Zeit neun Jahre alt. An dem Morgen hatte sie ihre Bleistifte vergessen, und zu dem Zeitpunkt der Detonation kam sie gerade stolz mit einer Handvoll neuer Buntstifte aus dem Laden. Plötzlich war sie durch den Knall fast taub, die Luft war dick mit Staub und Sand, um sie herum schreiende, blutende, rennende Menschen. Jemand zog sie in den Garten der schwer beschädigten Schule, wo sie blieb, bis meine Frau sie abholen konnte. Nach Hause, wo in jedem Raum der Boden voll mit Glasscherben war.

Sri Lanka heute ist friedlich und geschäftig, die Wirtschaft floriert. Zwei Millionen Touristen besuchen das Land jedes Jahr. Unser Krieg ist jetzt eine ferne Erinnerung, und wir schauen als Nation in eine vielversprechende Zukunft. Doch so viele andere Nationen können das nicht. Heute ist die Mehrzahl aller Länder der Erde in kriegerische Konflikte verwickelt! Und es ist ein trauriger Rekord, dass 59,5 Millionen Menschen als Flüchtlinge vor Krieg und Gewalt auf der Flucht sind.

Rotarier sind, all diesem zum Trotz, von der Möglichkeit des Friedens überzeugt - nicht aus Idealismus, sondern aus Erfahrung. Wir haben gesehen, dass selbst die kompliziertesten und unlösbar erscheinende Konflikte beigelegt werden können, wenn Menschen überzeugt werden können, dass sie durch Kämpfen mehr verlieren als wenn sie zur Zusammenarbeit finden. Und wir haben gesehen, was wir positiv bewirken können, wenn wir neue, auch manchmal radikale Wege der Konfliktlösung beschreiten. Rotary Peace Fellows erforschen, wie man solche neuen Wege beschreiten kann. Dank unserer Rotary Foundation werden die Friedensstipendiaten zu Experten für die Umsetzung neuer Friedensmodelle ausgebildet, die nicht nur bestehende Konflikte lösen, sondern auch zukünftige Konflikte verhindern sollen - bevor sie sich zu Kriegen ausweiten.

Unter den Hunderten von Peace Fellows, die bereits ihren Abschluss gemacht haben, sind auch zwei aus Sri Lanka. Sie entstammen den verschiedenen ehemaligen Konfliktparteien, und sie haben zusammen studiert. Zu Beginn ihres Studiums stritten sie leidenschaftlich jeweils für ihre Seite. Doch mit jeder Woche des gemeinsamen Studiums lernten sie, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen. Heute sind sie Freunde."

K.R. "Ravi" Ravindran
Präsident 2015/16