Soforthilfe für Nepal: Ein Tropfen, der Leben retten kann…

Montag, 11. Mai 2015
Gerade in den armen Bergregionen ist der Schaden verheerend.Gerade in den armen Bergregionen ist der Schaden verheerend.

Zwei Tage, nachdem in Nepal die Erde gebebt und verheerenden Schaden angerichtet hatte, schob der Rotary eClub 2000 gemeinsam mit acht eClubs aus Deutschland eine Hilfsaktion an, die Ihresgleichen sucht. Keine Minute Zeit verlieren, nicht ins grenzübergreifende Klagen verfallen, sondern die Ärmel hochkrempeln und echte Hilfe leisten, das war die Devise. Binnen kürzester Zeit kamen mehr als CHF 10'000 zusammen, die ohne Umweg und in vollem Umfang ins Krisengebiet flossen.
 

___Rückblick___

Samstag, 25. April 2015. In Nepal zittert die Erde – mit katastrophalen Folgen: Die 700'000 Einwohner grosse Hauptstadt Kathmandu – rund 80 Kilometer vom Epizentrum entfernt – liegt in Trümmern; auch Nord- und Nordostindien, Tibet, China, Pakistan und Bangladesch melden heftige Erschütterungen. Tausende und Abertausende Gebäude – darunter Wohnhäuser ebenso wie Tempel, Pagoden und Paläste – sind plötzlich dem Erdboden gleich. Menschen verlieren nicht nur ihr Obdach, sondern werden unter den einstürzenden Häusern und Gerölllawinen begraben. Die Wasser- und Stromversorgung fällt in weiten Teilen des Landes aus. Scharen von Verletzten warten vor Spitälern, von denen kaum ein Stein erhalten blieb, auf Behandlung. Vergebens.

Bis zum heutigen Tage stieg die Zahl der Toten nach Behördenangaben auf mehr als 7'700.

___Status quo___

In Nepal herrscht Chaos. Hunderttausende Familien sind unmittelbar auf Hilfe angewiesen. Der arme Bergstaat und seine Regierung sind heillos überfordert. Und die Zeit drängt: Für die zweite Junihälfte kündigt sich erfahrungsgemäss starker Monsunregen an, der mit Erdrutschen in den Gebirgsgegenden und Überschwemmungen in der südlichen Ebene Nepals einhergeht. Vor allem in den entlegenen und schwer erreichbaren Gebieten warteten die betroffenen Menschen auf internationale Hilfe. Es geht nicht um Kosmetik; es geht ums Überleben.

___Problematik___

Wenngleich die globale Betroffenheit gross ist: Nur ein geringer Prozentsatz der in Aussicht gestellten Hilfsgüter kommt in den Krisengebieten auch an. Dies aus zweierlei Gründen:

  1. Spendenbereitschaft. Nach Aussage der Vereinten Nationen sei bislang viel zu wenig an Spendengeldern eingegangen. Man habe grosse Mühe, die 415 Millionen Dollar einzutreiben, die für Hilfsleistungen in den ersten drei Monaten benötigt würden, sagte der UN-Koordinator für Nepal, Jamie McGoldrick. Was es brauche, sei nicht Mitgefühl, sondern handfeste Hilfe. Mit blossem Bedauern lasse sich kein Menschenleben retten, kritisierte die UN.
     
  2. Logistik.  Gerade in den ersten Tagen nach dem Unglück wird der Tribhuvan International Airport – Nepals einziger internationaler Flughafen – zum Nadelöhr. Transportmaschinen der indischen Luftwaffe und von den internationalen Hilfsorganisationen entsandte Flieger – vollgepackt mit Sauerstofftanks, Trinkwasser und weiteren Hilfsgütern – kreisen in der Warteschleife, den Landeslot erhoffend. Teilweise ist der Luftraum über Kathmandu derart überfüllt, dass die Piloten abdrehen müssen und nach Delhi steuern. Selbst die einzige Landebahn des kleinen Flughafens muss in Folge des Nachbebens und widriger Witterungsverhältnisse zwischendurch immer wieder schliessen. Wenn die dringend benötigten Güter schon die Hauptstadt Nepals nicht erreichen, wie sollen sie dann erst in die durch das Erdbeben teils völlig abgeschnittenen Bergdörfer gelangen?

___Lösung___

Mit Kopfschütteln, Fassungslosigkeit und blossem Mitgefühl wollten wir es nicht bewenden lassen. Für uns vom Rotary eClub 2000 stand fest: Wir müssen etwas tun! Und dies so schnell wie möglich! Entsprechend hoch war das Tempo, mit welchem wir in den Tagen nach der Katastrophe unser Vorhaben in die Tat umsetzten.

Samstag,
24. April 

Erdbeben in Nepal
Montag,
27. April
Im ersten Interclubmeeting von acht rotarischen eClubs aus Deutschland und unserem eClub 2000 aus der Schweiz (Premiere!), an dem sich insgesamt 103 Rotarierinnen und Rotarier beteiligten, rufen wir unsere deutschen Freunde zur Mithilfe auf. Unser Gründungspräsident Peter von Gunten, der noch im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts „Wireless Nepal“ persönlich nach Nepal reiste und mit mehreren Rotariern dort freundschaftlich verbunden ist, stellt uns ein Konzept zur Soforthilfe vor. Die deutschen Clubs sichern ihr Engagement mit sofortigem Entscheid zu.
Mittwoch, 29. April Der Rotary eClub 2000 sendet die erste Tranche in Höhe von CHF 2‘500 nach Nepal. Das Geld wird per Western Union gebührenfrei direkt an unsere Kontaktperson, PP RC Pokhara Kiran Lal Shrestha, transferiert. Eine normale Banküberweisung hätte über die Korrespondenzbanken in den USA abgewickelt werden müssen und hätte mehrere Tage in Anspruch genommen, abgesehen von den Gebühren.
Donnerstag, 30. April Dank dem unermüdlichen Einsatz von Freund Kiran Lal Shrestha treffen die ersten 190 „Relief Buckets“ –gefüllt mit Mineralwasser, Reis, Decken u.ä. – bei den Menschen in Not ein.
Freitag,
08. Mai
Weitere CHF 3‘160 werden per Western Union nach Nepal überwiesen.
Samstag,
09. Mai
Kiran Lal Shrestha und sein Team verteilen weitere 220 Relief Buckets, die mit unseren Geldern angeschafft wurden.


___Next steps___

Mit den von uns finanzierten Relief Buckets konnte ein wichtiger Beitrag zur Soforthilfe/Phase 1 geleistet werden. Die Menschen bekamen das, was sie in den Stunden und Tagen nach dem Beben am dringendsten brauchten, nämlich Wasser, Reis und Textilien als Schutz gegen die Kälte. Im nächsten Schritt gilt es, die Aufräumarbeiten/Phase 2 in Nepal zu unterstützen. Hier kommen unsere Freunde von den deutschen eClubs ins Spiel: Sie haben bislang € 4‘250 zusammengetragen, die für die Hilfe in Nepal investiert werden.

___Resümee___

Noch ehe Weltpräsident Gary Huang am 01. Mai an unsere rotarische Verantwortung appelliert und zum Einsatz aufgerufen hatte, wurden wir vom Rotary eClub 2000 aktiv. Wir waren entschlossen zu helfen, nutzten unsere Kontakte über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg und schlossen dank der technischen Möglichkeiten in Rekordzeit auch unsere rotarischen Freunde in Deutschland mit ein. Wir liessen uns von (logistischen) Hiobsbotschaften nicht schrecken, feilten mit Hochdruck an Lösungsmöglichkeiten und trugen trotz unseres limitierten Budgets (das Durchschnittsalter in unserem Club liegt bei gerade einmal 41 Jahren) eine stolze Summe zusammen. Auch wenn unsere Hilfe – verglichen mit der Spendensumme anderer Organisationen – nur ein „Tropfen auf den heissen Stein“ gewesen sein mag, so war sie dennoch ein „Tropfen“. Ein Tropfen, der für den einen oder anderen Menschen in Not – der Stunden vorher seine Familie, seinen Besitz, sein Glück verloren hat – lebensnotwendig war.

Wir sind stolz, Rotarier zu sein.

Bilder: Rot. Kiran Lal Shrestha/Nepal, Text: Rot. Verena Maria Amersbach


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